Indien 2019
Land der Gegensätze

Erfahrungsbericht
von Thorben Lövvelt
Indienfahrt 2019 - Vorstellung und Wirklichkeit
Was erwartet uns in Indien? Diese Frage haben wir uns wohl alle vor unserer ersten Reise nach Indien gestellt. Nach unseren Vortreffen und dem Vorbereitungswochenende hatten wir sicherlich bestimmte Vorstellungen über das Land und die Menschen. Diese Vorstellungen entsprachen aber bei weitem nicht dem, was wir während unserer dreiwöchigen Reise durch Indien erleben durften. Die Wirklichkeit zeigte uns ein Land der Extreme, voller Gegensätze. Wir durften ein Land erleben, in dem alles anders ist: die Farben, die Gerüche, das Essen und vor allem die Menschen.
Den ersten Unterschied erlebten wir schon bei unserer Ankunft am Flughafen in Kalkutta. Neben der hohen Luftfeuchtigkeit, die uns übrigens während der ganzen Reise begleitete, machten wir erste Erfahrungen mit dem Land. Es war laut, chaotisch, nicht wirklich sauber und auch der besondere Fahrstil der Inder war für uns ziemlich neu und gewöhnungsbedürftig. Trotz dieser für uns im ersten Moment chaotisch wirkenden Umstände, schien doch alles seine Ordnung zu haben. Es hatte den Eindruck, als würde das gesamte Leben auf der Straße stattfinden.
Trotz der teilweise schlimmen Umstände, die wir zum Beispiel in den Slums von Kalkutta sahen, waren die Menschen unglaublich gastfreundlich und herzlich. Wir hatten nie den Eindruck, dass die Menschen, die wir während unserer gesamten Reise kennenlernen durften, weniger glücklich und zufrieden mit ihrem Leben waren. Viel mehr schien es, als ob sie das Leben mehr genießen und sich über die wichtigen Dinge im Leben viel klarer waren.
Während unserer Reise verbrachten wir sehr viel Zeit an zwei Schulen im Südosten des Landes, in Tallapudi und Musunuru. Hier hatten wir die Chance sehr viel Zeit mit den indischen Schulkindern zu verbringen, sie kennenzulernen und sie sogar zu unterrichten. Völlig unerwartet war, dass die Kinder uns so anhimmelten, dass sie sogar Autogramme und Fotos mit uns machen wollten. Durch die verschiedenen Begrüßungsfeiern und Tänze von und mit den Schülern fühlten wir uns wie bei guten Freunden und direkt Willkommen. Die Dankbarkeit und Freude der Kinder an unserem Besuch ist eines der Highlights, welches uns wohl für immer in Erinnerung bleiben wird.
Es war auch sehr interessant für uns gleichaltrige Inder kennenzulernen. Wir durften erfahren, wie sie zur Schule gehen und was ihre Pläne für die Zukunft sind. So haben wir in Tallapudi zum Beispiel den 16jährigen Vinay kennengelernt. Er träumt davon Pilot zu werden und geht aktuell in die zwölfte Klasse. Dabei ist es für ihn sehr wichtig, dass er eine gute Abschlussprüfung ablegt, um eine Chance zu haben, aus den ärmlichen Verhältnissen herauszukommen. Mit einer guten Abschlussprüfung hat er die Möglichkeit studieren zu gehen, um so seinen Traumberuf erlernen zu können. Doch diese Möglichkeit haben nicht sehr viele Schüler. Die meisten müssen schon sehr früh Geld verdienen, um ihre Familie zu unterstützen und dann ist für die Schule keine Zeit mehr. So waren an der Schule in Tallapudi nur sehr wenige Schüler in der Oberstufe. Allein diese Tatsache hat uns die riesige Kluft zwischen Arm und Reich sehr deutlich vor Augen geführt. Generell ist Bildung sehr teuer und die meisten staatlichen Schulen sind überfüllt und schlecht ausgebaut. So war es für uns alle sehr gut zu sehen, wofür wir das Geld im Vorfeld gesammelt haben und was damit alles bewirkt werden kann.
Überwältigt waren wir auch von den vielen Sehenswürdigkeiten, die wir besuchen konnten. Die Tempelanlagen brachten uns die Religionen und die Kultur der Inder sehr viel näher. Auch der Aufenthalt im Ashram in Kancheepuram zum Schluss unserer Reise gab uns die Möglichkeit, die vielen Eindrücke, die wir im Laufe der drei Wochen gesammelt haben, auf uns wirken zu lassen, zu reflektieren und durch Meditation zu uns zu finden.
Wir alle sind unendlich dankbar dafür, diese Reise mit den vielen unvergesslichen Eindrücken und Erlebnissen gemacht haben zu dürfen. Ein besonderer Dank gilt auch den Oblaten, besonders Pater Terliesner, Frau Schaffeld und Herrn Reisener für die Organisation und Unterstützung der Reise. Auch allen anderen Spendern und Unterstützern des Projektes ist besonders zu danken. Wir hoffen, dass noch weiterhin viele Spenden gesammelt werden können und das Projekt noch lange bestehen bleibt, da wir persönlich gesehen haben, wie sehr wir damit helfen können.