Indien 2018
15 Schüler, unendlich viele Eindrücke

Erfahrungsbericht
von Niklas Grave und Till Schletter
Indien 2018 - Ein Reisebericht 15 Schüler, zwei Betreuer, ein Land und unendlich viele Eindrücke. Bildung ist das wichtigste Gut im Leben. Bildung ist der Schlüssel, sich eine eigene Meinung zu bilden, richtige Entscheidungen zu treffen und sich in die Welt einzubringen. Sei es privat, politisch oder auch in der beruflichen Perspektive. Jeder Mensch hat das Recht auf Bildung, jedes Kind soll das Privileg erfahren, eine Schule besuchen zu dürfen. Durch die Spenden, die wir in unserer Schule aber auch durch andere Projekte (z. B. Run for India) gesammelt haben, ermöglichen wir den Schulen den Ausbau neuer Stockwerke, die Anschaffung neuer Unterrichtsmaterialien oder die Bezahlung der notwendigen Schullizenz, um den Kindern den Zugang zur Bildung zu geben. Doch was erwarteten wir Schüler von dieser Reise und dieser fremden Kultur? Schwer zu sagen, bei einem Land solcher Vielfalt. Nach ausgiebiger Vorbereitung in Form einiger Vortreffen dachten wir, ausreichend auf Indien vorbereitet zu sein. Doch kann man sich auf eine solche Reise überhaupt genug vorbereiten? Am 09.08.2018 war es dann so weit und unsere Gruppe traf sich am Borkener Bahnhof, um in den Zug nach Frankfurt zu steigen. Keine 24 Stunden später durchquerten wir die Tür des Flughafens in Kalkutta, wobei uns eine Welle subtropischer Hitze überrollte und die Hupen des wilden Verkehrs uns lautstark begrüßten. Schon nach den ersten Minuten im indischen Straßenverkehr wurde uns jedoch bewusst, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, sich auf solch ein Chaos vorzubereiten. Völlig ergriffen von dem Leben der Stadt befanden wir uns in einem Zwiespalt. Auf der einen Seite die glückliche Lebendigkeit, auf der anderen Seite ein Leben in Armut und Dreck. Der Mensch aber ist ein Gewohnheitstier und so fiel es uns vergleichsweise leicht, sich an die drückende Hitze und die Scharen von Moskitos, sowie den lauten Verkehr zu gewöhnen. Die Gewöhnung an die Gastfreundschaft fiel ebenfalls sehr leicht, vielleicht war dem so, da sie allgegenwärtig war. An jeder Schule und Einrichtung, an jeder Kirche und an jedem Haus wurden wir freudig begrüßt und mit allem versorgt. Wirklich niemand scheute Kosten und Mühen, damit unserer Aufenthalt positiv in unseren Gedächtnissen bleibt. So lernten wir auch die kulinarische Seite Indiens kennen. Wurden nicht gerade frische Früchte, traditionelle Blätterteig-Taschen, Kekse oder Chai-Tee angeboten, verwöhnte die indische Küche unsere Gaumen mit allerlei Soßen, Suppen und Eintöpfen. Eingeschränkt wurde der Genuss nur durch die abendländische Schärfe, mit der die Inder ebenfalls nicht sparsam waren. Jedoch stand bei all diesen Aufeinandertreffen nicht das Essen im Vordergrund, sondern die Menschen selber und der stetige Dialog mit ihnen. Auch wenn die Sprache in Indien, je nach Region, vollkommen verschieden ist, ermöglichten unsere Englischkenntnisse uns tagtäglich Einblicke in das Leben unterschiedlichster Personen. In das Leben von Schülern, Lehrern als auch in das von Priestern, Gurus und Slumbewohnern. Prägende Persönlichkeiten wie die Schulleiter der beiden Schulen in Tallapudi und Musunuru, welche wir besuchten, boten ein großes Spektrum an Inspirationen. Der Besuch des Unterrichts an den Schulen zeigte jedoch auch auf, wie verschieden das indische Bildungssystem doch zu dem unsrigen ist. Anstatt des Frontalunterrichts und dem Wiederholen aller Sachverhalte und Lösungen, versuchte unsere Gruppe durch den vorbereiteten Unterricht Hand anzulegen. Fächer wie Englisch, Mathematik, Biologie und Geschichte schienen für uns im Vordergrund zu stehen. Eine Lehrerin verabschiedete sich schließlich am Ende des Aufenthaltes in Tallapudi voller Dankbarkeit und uns wurde durch ihre Worte bewusst, dass es ebenso auf unser Verhalten und unseres bloßes Dasein ankommt. Selbst wenn wir weiterreisen und unseren Weg gehen, werden die Schüler und Lehrer uns immer in ihren Herzen tragen. Eine vollkommen andere Erfahrung sammelten wir in den Tempelanlagen, Moscheen, Synagogen und Kirchen von Kanchipuram. Seit mehreren hunderten Jahren leben in dieser Stadt alle großen Weltreligionen in Frieden miteinander. Eine Rarität in der heutigen Welt, ein Beispiel, an dem sich viele Menschen und Religionsanhänger orientieren sollten. Erstaunlich war es zu sehen, wie sehr doch die Kuh und auch die Natur respektiert und angebetet wurden. Sehr widersprüchlich schien dies zu dem dortigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen und den schockierenden Verschmutzungen. Doch haben die schönen Seiten von Indien überwogen. Wir alle haben gemerkt, welch lebendiger, lebensfroher und begeisternder Geist durch Indien fließt, der außenstehende schnell ein seinen Bann reißt und nicht mehr loslassen möchte, eine wirklich atemberaubende Erfahrung. Abschließend möchten wir uns bei den Betreuern Eva Veldscholten und Christian Reisener sowie dem Orden und den betreuenden Oblaten für eine unvergessliche und für immer prägende Zeit bedanken. Ein Land, welches man trotz einiger Macken zu lieben lernt, durch die Natürlichkeit und Offenheit der Menschen, die uns zeigten, dass man nicht das Land Indien verändern kann, sondern Indien uns verändert. Ein Land, welches so viel ärmer und doch so reich ist.
Von Kolkata nach Ashram - auf der Suche nach Leben
von Eva Lagermann
Ein Gedicht gewidmet an die beste Reisegruppe der Welt über eine unvergessliche Zeit in Indien, der Suche nach dem Lebenssinn und sich selbst, Nächstenliebe und Menschlichkeit.
Von Palmen umhüllt eine ganze Stadt, das Flugzeug landet sanft und glatt. Durch die Welt zieht indische Luft, ein fremder, warmer, feuchter Duft. Auf den Straßen Gewusel, wohin man schaut, sich ein Haus nach dem anderen aufbaut. Auf der Straße blickt eine Kuh in mein Gesicht, Menschen und Bilderfluten häufen sich. Ein Hupenmeer drönt durch die Gassen, Autos, Mofas hier in Massen. Fremd ist man hier, wie auf einem anderen Planeten und doch bereit diese neue Welt zu betreten. Blickt in den Himmel und sieht in Ferne den selben Mond, die selben Sterne. Was mag wohl auf mich warten? Es ist Zeit, das Abenteuer zu starten. Lachen strahlt mir entgegen ohne genau zu wissen weswegen. Man braucht hier nicht viel zum Glücklichsein, Hauptsache, man ist nicht allein. Das Gute sehen in kleinen Sachen und dabei andere glücklich machen, sein Leben für andere Menschen leben, zu lieben, zu teilen, dann ist ein Sinn gegeben. Nach vorne schauen in eine bessere Welt und schon verschwindet der Wert von Geld. Denn hier zählt nur die Menschlichkeit, es verschwindet Gefühl von Einsamkeit. Sei bereit und lass dich d´rauf ein und manche Sorgen werden schon morgen nicht mehr sein. Was bedeutet ein Kinderlachen? Man kann es kaum in Worte packen. So wenig Besitz und doch so reich im Herzen, ein Kind vertreibt Kummer, Sorgen, Schmerzen. In ihren Augen versinkt mein Blick und ich spüre Fluten von Glück. So leicht und sorgenfrei scheint Leben, würde man den Kindern die Welt in die Hand geben, ihnen eine Zukunft schenken und sie auf die richtigen Wege lenken. Eine Schule bietet ihnen, was sie brauchen, um in eine bessere Zukunft einzutauchen. Neben Bildung auch Werte zu lernen, braucht es, um Teil einer Gesellschaft zu werden. Durch ihre Augen die Welt sehen und voll Hoffnung weiterzugehen. Eine Oase in Indien scheint man im Ort Musunuru zu finden. Umhüllt von Palmen und innerem Frieden beginnt man sich ins Land zu verlieben. Dort, wo Affen leben, mag es auch unsere Freiheit geben. Und man trifft auf gutes Essen, es lässt den letzten Stress vergessen. Und wieder einmal fällt mir ein, ich erlebe die Reise hier nicht allein. Eine solche Fahrt gemeinsam zu teilen, zusammen in den Momenten verweilen, in der Gruppe eine starke Verbindung und gleichzeitig jeder in Ich-Findung. In eine moderne Stadt geht es weiter und schon sind die Menschen nicht mehr ganz so heiter. Es fehlt das Gefühl, die anderen zu kennen, man mag sich hier nicht mal bei Namen nennen. Schnell weiter in einen ruhigeren Ort, vielleicht findet man Frieden dort. Mit Yoga starten in den Tag, die Zeit genießen mit Menschen, die man mag. Sich mit dem Erlebtem auseinandersetzen und sich in andere hineinzuversetzen. Von nun an etwas besser machen, mehr zu teilen und zu lachen. Die Menschen, die man hier kennengelernt hat, in sich tragen und mitnehmen in die eigene Stadt, niemals vergessen, was man hier alles sah, die Erinnerung bleibt für immer da. Ein Teil meines Lebens ist nun diese Zeit und ich bin schon für die nächste bereit.